Um vor dem Endsprint meines Bachelorstudiums noch ein wenig Energie zu tanken, ging es für uns in die Berge des Tatra Gebirges im Süden Polens. Den gesamten Gebirgekomplex der sowohl in Polen und der Slowakei liegt hatte ich zuvor auch gar nicht auf dem Schirm und erst etwas Recherche mit dem Ziel einen Erholungsort in Europa zu finden, welcher im Sommer nicht der quasi unausweichbaren Hitze fällt, hat uns auf diese Region aufmerksam gemacht.
Konkret geht es um Zakopane; ein wohl bekannter Erholungsort unter Polen und quasi das polnische Äquivalent zu Obersdorf. Umso freudiger, dass die Polnische Staatsbahn (PKP) ein Nachtzugpaar anbietet, welches Abends an der Deutsch-Polnischen Grenze in Stettin/Szcecin startet und uns nach über 30 Zwischenhalten am nächsten morgen an unser Ziel in Zakopane befördert.
Kein Wunder, dass wir als Bahnfans daher unsere Reise explizit um diese Verbindung herumgeplant haben…
PKP-Ticketplattform
Dieser Bericht wäre nicht vollständig ohne ein paar Worte über die polnische Buchungsplattform zu verlieren: Dass die Seite ausschließlich auf Polnisch verfügbar gewesen ist, stellt in erster Linie kein Hindernis dar, übersetzungsoptionen gibt es ja vielzahlig. Dass die Suche entsprechend nur die polnischen Städte und Bahnhofsbezeichnungen kennt, macht mir als nicht-der-polnischen-Rechtschreibung begabter Mensch schon eher zu schaffen. Doch, dass die Buchungsplattform maximal 30 Tage in der Zukunft liegende Verbindungen anbietet fand ich für ein europäisches Bahnunternehemn echt krass. (Eigentlich hätte mich das nicht wundern sollen; aus den Bahnbetreibern im Baltikum bin ich eigentlich viel schlimmeres gewohnt)
Anreise
Dass der Weg das Ziel ist wurde eingangs bereits etwas beleuchtet. Dass der Weg ein größeres Risiko werden könnte, war uns spätestens dann klar, als uns bekannt wird, dass es keine Möglichkeit gibt den PKP-Nachtzug und die Zubringer auf deutscher Seite in einem Beförderungsvertrag (also Fahrgastrechte für die Gesamtreise) zu boxen. Eigentlich war uns das von Anfang an klar, wir kennen ja den katastrophalen Zustand an Zersplitterung im europäischen Eisenbahnwesen.
Kommt hinzu, dass die Deutsche Bahn nicht besonders bekannt für ihre Zuverlässigkeit ist, die Verbindung bloß alle 2 Stunden verkehrt, und wir einen potentiell sportigen 9 Minuten Umstieg in Bützow vor hatten.
Um für genügend Unregelmäßigkeiten vorzusorgen haben wir uns enschieden, zumindest eine Verbindung Puffer einzuplanen, also unsere Abfahrtszeit um 2 Stunden vorzuschieben.
Unsere Reise startet in Hamburg, dank Sommerferien in Norddeutschland auch mit entsprechender zahlreicher Begleitung. Im letzten Wagen haben wir noch Sitzplätze ergattern können; ein paar Minuten später und es hätte auch hier keine mehr gegeben. Die Fahrt startet erfrischend Reibungslos: wir haben nur geringfügig Verspätung, schaffen unseren Umstieg in Bützow, beschäftigen uns mit Musik, Lesen oder Schlaf.
Angekommen in Stettin/Szcecin haben wir dank des Puffers ein paar Stunden Aufenthalt und beschließen uns in der Stadt etwas Verpflegung zu suchen. Auf dem Weg hat es allerdings gottlos angefangen zu regnen. Eigentlich ziemlich doof; wir wollen ja nicht durchnässt in den Nachtzug steigen, andererseits konnte ich so meine neue Regenjacke erproben :). Nunja, wetterbedingt haben wir uns in ein Einkaufszentrum gerettet und guess what; die Fastfood Oase entdeckt. Das heutige Abendessen war also die veggie Auswahl von Burger King in Polen. Die Preise sind echt unschlagbar, einer der Veggie-Burger war allerdings ganz bestimmt kein Veggie-Burger, etwas enttäuschend.
Zurück am Bahnhof beginnen wir unsere Reise in die Dämmerung. Wir belegen zu dritt ein 3er Abteil. Die Ausstattung ist genügend, besonders da unser Ticket umgerechnet keine 30€ pro Person gekostet hat. Obwohl die Wagen relativ neu gebaut waren, sind Abteile nicht wirklich perfekt: die arme Person die oben schläft (ich) kann durch die geringe Fensterhöhe leider nicht hinausschauen, die Trennwende haben größere Lücken (besonders wenn die Nachbarkabine unerlaubter Weise nachts laut ist UND raucht wird das schnell sehr unangenehm), und es benötigt eine Leiter um in die Hochbetten zu gelangen; stellt man diese Leiter auf zeigt sie (a) in die entgegengesetze, falsche Richtung zur gegenüberliegenden Wand hin und (b) versperrt das gesamte Abteil. 100% durchdacht ist das Design nicht. Auch die Bremse des PKP Intercity ist sehr laut und unangenehm ruckartig. Bei 35 Haltestellen habe ich entsprechend mittelmäßig schlafen können.
Planmäßig hat der Zug 32 Minuten Aufenthalt in Poznan und 42 Minuten in Krakau/Krakow - wie es trotzdem möchlich ist, dass der Zug sowohl auf der Hin- und Rückfahrt jeweils fast 2 Stunden Verspätung aufbaut lässt sich für mich nicht erschließen, ein großes Problem damit länger Schlafen zu dürfen hatte ich aber ebenfalls nicht. Mit einem abgepackten Chococrossaint und einem kleinen Snack war die Ankunft in Zakopane ebenfalls gut aushaltbar.
Zakopane
Ankunft
Angekommen in Zakopane haben wir erstmal unsere schweren Rucksäcke in die im Bahnhofsgebäude befindlichen Schließfächer eingeschlossen und uns Richtung Stadtzentrum begeben. Mit 25_000 Einwohnern ist die Stadt recht überschaubar, es gibt eine große Straße im Stadtkern. Viel mehr haben wir am Anreistag auch nicht weiter unternommen. Die meiste Zeit haben wir in den Park- und Grünanlagen in der Stadt verbracht. Der Lidl, in dem wir Lebensmittel für unser Abendessen besorgt haben, scheint jeden Nachmittag gegen 18 Uhr einen großen Ansturm an Menschenmassen zu erfahren, welche soeben von ihren Tagestouren und Wanderungen in der Umgebung zurückgekehrt sind. Entsprechend überfüllt war dieser Lidl an diesem Tag und wir haben uns vorgenommen in den Folgetagen nicht denselben Fehler erneut zu begehen.
Unsere Unterkunft war eine Ferienwohnung in Bahnhofsnähe, nett eingerichtet aus und mit Holz, mit Bildern der Gastgeberfamilie, nicht unähnlich aussehend wie Alpenhütten in Bayern oder Österreich. Viel Zeit haben wir hier aber gar nicht verbracht, da wir in unserer kurzen Zeit in Zakopane viel vor hatten.
Trip 1
Heute haben wir uns auf eine circa 10 Kilometer lange Runde um den Kompani-Sattel gemacht. Dafür ging es morgens mit dem Bus an den Eingag des Tatra-Nationalparks, wo auch die Gondel zum Kasprowny Gipfel startet. Wir sind zunächst einige Kilometer durch den Wald am Gebirgsfuß hinaufgewandert - stets in Begleitung von vielen anderen Wander:innen; die meisten Polnisch aber auch ein paar Briten und sogar eine eestische Familie haben wir beobachtet. Erstaunlich viele Kinder und Schulgruppen sind uns über den Weg gekommen, einige micht echt spannender Ausrüstung (oder halt auch nicht). Besonders beeindruckt hat mich eine Frau mit der Zigarette in der linken Hand und einer Bierdose in der rechten - was es nicht alles gibt. Schon relativ früh erleben wir eine beindruckende Aussicht, entsprechend viele Foto-Stops haben wir eingelegt.
Irgendwann kommen wir an einer rappelvollen Berghütte an, die markiert unseren Umkehrpunkt für unsere heutige Tour und - wie wir später erfahren - auch in etwa den halben Weg bis zum Kasprowny Gipfel.
Irgendwann wieder unten angekommen ging es für uns wieder zu Lidl, diesmal etwas früher und immer noch gefüllt, aber nicht annähernd so schlimm wie gestern. Wir haben Pierogi (Dumplings mit Kartoffel füllung und in unserem Fall auch mit Frischkäse) probiert, dazu etwas Gemüse; war lecker, kann ich weiterempfehlen.
Trip 2
Nach dem gestrigen Tag waren wir doch ein wenig erschöpft. Dazu kam eine Menge Niederschlag an diesen Vormittag und wir haben beschlossen, heute alles ein wenig entspannter anzugehen. Daher haben wir uns auch erst um 14:00 Uhr mit dem Bus zum Strazyska Tal begeben um hier eine kleine aber sehr schöne Tour an einem Bach hinauf bis zum Siklawica Wasserfall zu gehen.
Das Panorama mit den Bergen in der Distanz hat mich besonders an diesem Tag besonders überzeugt.
Auf dem Rückweg haben wir knapp den alle 2 Stunden verkehrenden Bus verpasst. Damit begann unsere Suche nach einem vegetarischen Abendessen. Kurz und knapp: der erste Foodtruck hatte keine veggie Patties, der zweite Laden auch nicht, der dritte Laden hatte keine Sitzplätze. Das war uns letzendlich dann auch kein Hindernis mehr; wir haben unser Essen dann zum mitnehmen bestellt - währenddessen hat es strömend angefangen zu regnen. Alles etwas aufregender als gewünscht, aber wir haben ja letztendlich noch etwas zu Essen bekommen können.
Trip 3 und Rückreise
Durch die Natur des Nachtzuges und dem Check-In am Vormittag haben wir quasi einen ganzen Tag, der uns noch zur Verfügung stand. Allerdings mussten wir uns etwas einschränken, was genau wir mit diesem anfingen. Große körperliche Aktivitäten wären eher unpraktisch, wir haben schließlich keine Unterkunft mehr und auch im Nachtzug keine Gelegenheit uns abzuduschen.
Daher schien meine Idee mit der Gondel auf den Gipfel des Kasprowy Wierch zu besichtigen gar nicht so schlecht. Vorher kurz die Lokalspezialität, geräucherten Käse, probiert (auch als laktoseintolerante Person lecker). Wir hätten vielleicht den Wetterbericht etwas besser studieren sollen: auf dem Gipfel war es mit einselligen Temparaturen etwas kühler, soweit so gut. Dass es jedoch auch noch stark nebelig war, hat unsere Pläne oben etwas herumzulaufen und ein paar Seen zu besichtigen etwas eingeschränkt. Stattdessen haben wir die Zeit im Cafe verbracht und eine heiße Schokolade getrunken. Ich bin mir sicher, dass die Fahrt bei gutem Wetter ein echtes Erlebnis gewesen wäre - vielleicht nächstes Mal.
Wieder unten hatten wir nur noch einen letzten Programmpunkt zu erledigen: wir wollten noch etwas essen bevor wir unsere Rückreise im Nachtzug antreten würden. Diesmal waren wir determiniert in gestrigen Bürgerrestaurant auch einen Sitzplatz zu bekommen. Gesagt getan* (*mit circa 25 Minuten Wartezeit für einen Tisch).
Schließlich bleibt nicht mehr viel übrig außer die Rückfahrt zu genießen und auf die entspannten letzten Tage zurückzublicken.

2 Tage bleiben mir nach dem Trip noch bis ich wieder an die Hochschule in Elmshorn muss. Dann freue ich mich wieder auf meine Kommiliton:innen und bin gespannt auf das letzte echte Semester meines Studiums. An dieser Stelle vielen Dank, dass du den Eintrag bis zu dieser Stelle gelesen hast und bis denne :).