Mit ein paar Kommilitonen haben wir uns Anfang Juni eine Auszeit am Öresund/Øresund genehmigt. Wir waren eine Woche in Malmö mit dem ein oder anderen Trip rüber nach Kopenhagen/København.

Anreise

Los geht es in Hamburg mit dem Eurocity Express der DSB in Kooperation mit der DB. Dabei kommen neue Wagenpaare des Spanischen Herstellers Talgo zum Einsatz, die sind Baugleich zu dem bei uns in Deutschland fast zeitgleich eingeführten ICE L Wagen.

Wir machen uns auf den Weg in den Norden; spannenderweise mit Halten in Schleswig und Padborg. Größere Städte wie Neumünster und Flensburg werden nicht bedient und Padborg dient als Grenzhalt auch viel mehr der Ablöse des deutschen Personals durch Dänisches und einer Kontrolle durch die dänische Grenzpolizei. Der Ruf der maroden dänischen Schieneninfrastruktur bewahrheitet sich und wir bauen nach und nach immer mehr Verspätung auf, während sich Kopenhagen nähert.

In Kopenhagen nur noch ein kurzer Umstieg in den Öresundståg (tåg = Zug) und wir sind auch schon bald in Malmö. Um auf die andere Seite des Öresunds zu Gelangen wurde bis zum Jahr 2000 eine wirklich äußerst beeindruckende Querung erbaut, welche auf der dänischen Seite nahe des Flughafens in einem Tunnel beginnt und auf einer künstlichen Insel in eine Brücke übergeht. Die Zugtrasse verläuft hier direkt unter der Autobahn.

Aufklappen für Nerd-Infos zum ZugsicherungssystemenAber nicht nur zivilbaulich treten hier Besonderheiten auf: die dänische Seite verwendet das dänische Zugesicherungssystem ZUB-123, auf der schwedischen Seite hingegen setzt man auf ATC-2. Die Grenze liegt dabei auf der künstlich angelegten Insel. Langfristig werden beide Zugsysteme auf das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS umgerüstet; derzeit ist es nur in Teilstücken auf der dänischen Seite verbaut. Aber genau das Teilstück auf der künstlichen Insel regelt den Reibungslosen übergang zwischen den nationalen Zugsicherungssystemen Dänemarks und Schwedens mehr dazu. Entsprechend sind die Züge mit Technologie ausgestattet, welche alle 3 Systeme verstehen kann und muss.

Als Fahrgast bekomme ich von all dem währenddessen gar nichts mit. In Malmö angekommen steigen wir in einen futuristisch und ergonomisch geformten Gelenkbus, der so wirkt, als müsste er eigentlich eine Tram. Ein paar Stationen und etwas Fußweg und schließlich erreichen wir unsere Unterkunft.

Vor Ort in Malmö

Eine Möwe

Das Ruf von Malmö ist im Internet häufig nicht der Beste, als Tourist habe ich von all dem aber eigentlich nichts mitbekommen. Zwar gab es einige ärmere Viertel. In der Wahrnehmung ist Malmö doch überwiegend eine moderne Stadt mit viel Erholungsfläche und einer lebendigen Innenstadt. An einem Tag sind wir stundenlang durch die verschiedenen Parks gelaufen: durch die Innenstadt mit netten Fassaden bis hin zur modernen Promenade, an der man im Horizont die Skyline Kopenhagens erkennen konnte.

Am Schlosspark befanden sich auch zwei Museen: eins zur Naturkunde und ein weiteres zur Maritim- und Stadtgeschichte. Zweiteres hat spannende Beiträge eben auch zur Öresundquerung und dem Leben in Malmö geliefert. Das Naturkunde Museum hingegen war genau das und steht so oder in ähnlicher Form auch in vielen anderen Städten.

Der Transport in Malmö war angenehm. Viele Buslinien verbinden die Innenstadt mit den umliegenden Stadteilen und ein flächendes GPS-Tracking bietet genaue Infos über die Pünktlichkeit der Busse. Das Malmö in den regulären Bussen ein Closed-Fare-Collection (Ticketvorzeige) , ländlich kenne ich das in Deutschland ja auch so, aber ich bevorzuge Proof-of-Fare (Ticket bei Kontrollen vorzeigen) System aus deutschen Großstädten - auch weil es den Passagieraustausch so viel schneller macht. Echtzeitabfahrtsanzeige an einer Bushaltestelle in Malmö

Zuletzt haben wir noch einen Abstecher in der Fastfoodkette MAX gemacht. Ähnlich zu Hesburger in Finnland und im Baltikum stellt die Kette das lokale Äquivalent zu amerikanischen Giganten wie McDonalds und BurgerKing dar. Die Preise waren angemessen, Qualität okay und veggie Auswahl vorhanden – nichts, was mich vom Hocker haut, aber doch ein solides Angebot.

Dänemark

Da wir in Malmö sowieso nur eine kurze halbstündige Bahnfahrt von Kopenhagen entfernt waren, haben wir den ein oder anderen Tag genutzt um Kopenhagen zu erkunden. Highlights waren die Festung, die Freistadt Christiana und ein Streetfood-Kulturfest in Holmen. Aber auch das Städtedesign mit viel Grün und ikonischen Gebäuden wie der Amager Bakke (das begrünte, schräge Gebäude, dass auch als Skipiste fungiert) oder der Schlosspark mitten in der Stadt und für mich natürlich auch die automatisierte Metro machen Kopenhagen zu einer der cooleren Städte.

Die deutsche Botschaft in Kopenhagen befand sich on-brand in einem überdimensionierten Betonzylinder. Und schließlich haben wir noch die königliche Bibliothek besucht. Königliche Bibliothek Dänemarks

Und sonst noch

Wir waren noch in Lund und dort wars auch ganz nett :)

Und was in Schweden natürlich nicht fehlen darf ist der Besuch von IKEA. Wirklich signifikant unterscheidet dieser sich nicht von unseren Läden hier in Deutschland. Aufgefallen ist mir nur eine leicht größere Auswahl im Restaurant und Bistro. Plantbullar im IKEA Malmö

Als Ausklang hier noch ein Bild auf die Öresund-Brücke, das ich auf einem Abendspaziergang in der der Gegend geschossen habe. Öresund Brücke bei Sonnenuntergang